Artificial Intelligence for the Common Good #2

With Lorena Jaume-Palasí

Algorithmen sind die kleinste Einheit von dem, was wir “Künstliche Intelligenz” (KI) nennen. Sie stehen im Mittelpunkt der aktuellen Debatte über die ethischen und sozialen Auswirkungen von KI. Die kommerzielle Nutzung von KI-basierten Diensten und Produkten wie Smartphones, Versicherungsdienstleistungen, Suchmaschinen, Online-Shopping und Social Media zieht Bedenken und Unsicherheiten nach sich über die Folgen für den Menschen.

Die Manifestation der Technologie in Dienstleistungen und Produkten führt zu einer Überprüfung und Bewertung aus einer sehr individuellen Menschenrechts- und Verbraucherrechtsperspektive. Die aus der KI abgeleiteten Produkte und Dienstleistungen entsprechen jedoch nicht der Natur der KI – Künstliche Intelligenz und algorithmische Systeme verstehen Individuen nicht. Sie sind ein technologisch standardisierender und automatisierender Prozess, bei dem Menschen in feinkörnige Kollektive eingeteilt werden. Es ist die technische Herstellung einer immateriellen Infrastruktur durch Software in Bereichen, in denen diese infrastrukturelle Dimension bisher undenkbar war. Infrastruktur ist der architektonische Ausdruck der Politik einer Gesellschaft. Sie erleichtert und verteilt Macht, schafft die Voraussetzungen für gesellschaftliche Ein- und Ausgrenzung und gestaltet den gemeinsamen öffentlichen Raum.

KI ist eine Technologie, die sich architektonisch und damit kollektiv auf Gesellschaften auswirkt. Das aktuelle Gespräch über Ethik und Gesetze zur Nutzung von KI konzentriert sich auf die Wahrung demokratischer Werte mit individuellen Instrumenten. Dieser reaktionäre Ansatz entspricht keiner Strategie und wird bei kollektiven Problemen nicht funktionieren. Wirklicher Widerstand impliziert Aktion statt Reaktion. Aktion bedeutet, durch die Präsentation von Alternativen zu widersprechen. Das Seminar konzentriert sich auf die Analyse technologievermittelter Machtstrukturen, um gesellschaftliche Fiktionen zu entwickeln, die sich auf das Gemeinwohl und das öffentliche Interesse unter Verwendung von KI konzentrieren.

Bild: Supertree Grove, Gardens by the Bay, Singapore. Quelle: Wikimedia Commons

Lorena Jaume-Palasí is the founder of The Ethical Tech Society, a fact- and theory based non-profit organization focused on automation and digitization processes with regards to their social relevance. Lorena’s work centers on ethics and legal philosophy. 2017 she was appointed by the Spanish government to the High Level Expert Council on Artificial Intelligence and Big Data and is a former member of the EU High Level Expert Group on Artificial Intelligence. 2018 she was awarded the Theodor Heuss Medal “for her contribution to a differentiated view of algorithms and their mechanisms of action” with the AlgorithmWatch initiative.